Gutachten zur Eisenbahn-Netzergänzung Blankenstein - Marxgrün


PROTOKOLL der Abschlußpräsentation am 8.Juli 99 in Naila

Zunächst begrüßte Herr Dr. Scheder die Teilnehmer (Anlage).

Herr Dr. Zander, Frau Menzel und Herr Klein von der Firma Kocks Consult GmbH, Erfurt, präsentierten anhand von Charts die wichtigsten Ergebnisse: Im Personenverkehr könnte in der Gesamtrelation Saalfeld - Hof die Reisendenzahl von heute 1.280 auf künftig 2.380 um insgesamt 86 % gesteigert werden. Im Güterverkehr ist eine Erhöhung der heutigen Verkehrsmenge von 30.000 t/a auf 140.OOÖ t/a realistisch. Bei den Kosten werden 2 Varianten im Personenverkehr unterschieden:

Zweistündlich alternierende Führung der Züge ab Hof nach Bad Steben und Saalfeld:
Streckeninvestitionen: Ca. 26 Mio. DM zusätzlich erforderlich Fahrzeuge: ± 0 Zugkilometer/Jahr: + 15.000

Flügelung in Marxgrün mit 1 Stunden-Takt Hof - Bad Steben und 2 Stunden-Takt Hof -Saalfeld:
Streckeninvestitionen: 27 Mio. DM zusätzlich erforderliche Fahrzeuge: 2 Triebwagen
Zugkilometer/Jahr: + 42.000

In der Diskussion frug Herr Dr. Scheder zunächst die Vertreter der DB AG, ob sie diese Daten für realistisch erachten und ob die DB AG als Kostenträger in Frage käme.

Herr Krautwer von DB-Regio Thüringen hielt die Zahlen auf der Erlös- und Kostenseite trotz Abweichungen im Detail für grundsätzlich akzeptabel. Er bezweifelte jedoch, daß DB-Netz eine ausreichende Wirtschaftlichkeit sehe, um als Kostenträger aufzutreten. Hierzu sei in der Regel mindestens ein 1-Stunden-Takt erforderlich.

Frau Rennert von der ZPR Blankenstein befürwortete die Netzergänzung und sieht aufgrund einer Kapazitätsverdoppelung. ihres Werkes Chancen für eine Verlagerung von 100.000 bis 120.000 t/Jahr auf die Schiene, wenn mindestens dreimal täglich eine Bedienung erfolge. Verkehrsbeziehungen habe ihr Werk hauptsächlich Richtung Süddeutschland und Rheinland.

Herr Behringer von DB-Cargo verwies zunächst auf die Wichtigkeit des Nachtsprungs im Güterverkehr und betonte, daß dieser auch über Saalfeld Nürnberg bei einer fünfmal täglichen Bedienung möglich sei. Der Preis hierzu müsse noch verhandelt werden.

Frau Rennert vermutete einen höheren Preis über die längere Strecke über Saalfeld.

Herr Bürgermeister Lommer der Stadt Naila beschrieb zunächst die hohe Belastung seiner Bürger durch den LKW-Verkehr. Das Ziel müsse es sein, die Güter von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Er bat die Bahn um günstige Preise im Güterverkehr.

Herr Dr. Scheder erläuterte das grundsätzliche Problem, daß der Schienenverkehr Trassengebühren zahlen müsse, der Straßenverkehr jedoch nicht. Ziel der Bayerischen Staatsregierung sei ebenfalls die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene, jedoch ohne dirigistische Maßnahmen.

Herr Mayer von der Nahverkehrsgesellschaft Thüringen wies zunächst auf das Problem hin, daß der Güterverkehr mit seinen relativ wenigen Fahrten dem Netzbetreiber nur geringe Trasseneinnahmen bringe und sprach die Frage an, ob nicht durch eine Senkung der max. Achslast auf 16 t/Achse eine Kostensenkung möglich wäre. Im Personenverkehr sei eine Reaktivierung in Thüringen ab 500 Reisenden pro Tag interessant, jedoch sei das Ziel eher 1.000 Reisende pro Tag. Grundsätzlich hielt er das Wagnis einer Reaktivierung für möglich und machte deutlich, daß in Thüringen bis zum Jahre 2002 für derartige Maßnahmen auch Altlastenmittel zur Verfügung stehen. Ein Baukostenzuschuß der Länder zu den Investitionen sei problematisch. Die Investsumme von 26 Mio. DM hielt er für realistisch, jedoch seien hierzu die Kosten für den Immobilienerwerb zu ergänzen.

Herr Klein von Kocks Consult bestätigte, daß die 26 Mio. DM sich auf die Streckenklasse D 4 entsprechend einer Achslast von 22,5 t bezögen.

Herr Winkler wies auf die ungünstige Streckenführung über Saalfeld mit hohen Neigungen und je nach Relation mehreren Spitzkehren hin.

Herr Strössner von der Gemeinde Blankenstein sah ein erheblich sinkendes Lebensniveau in seiner Gemeinde wegen des wachsenden Straßengüterverkehrs. Der Tourismus schlafe ein, wenn die LKW's blieben. Das Problem sei in erster Linie die ungünstige Preisgestaltung der Bahn. Hauptziel müsse es sein, die Güter auf die Schiene zu verlagern. Auf welcher Strecke sei demgegenüber sekundär Wenn das Grundziel der Verlagerung auf die Schiene nicht erreichbar sein, plädiere er für eine Umgehungsstraße direkt zum Werk, die ggfs. billiger und schneller realisierbar sei. Für die Verlagerung von Personenverkehr auf die Schiene sah er wenig Chancen.

Herr Klein antwortete auf Fragen der Firma ZPR, daß nach einem Beschluß die Strecke realistisch nach 5 bis 6 Jahren wieder hergestellt sein könne, da allein mit der Herstellung des Baurechtes (ohne Planfeststellung) 2 bis 3 Jahre zu veranschlagen seien.

Herr Mayer bezweifelte ein ernsthaftes Interesse von DB Cargo, die nach Aussage ihres Vorstandes noch nicht einmal in der Lage sei, Waggons für die Holzverladung zur Verfügung zu stellen.

Herr Behringer stellte fest, daß es den verladenden Firmen in der Regel nur auf das Preis-Leistungs-Verhältnis ankomme, dagegen die Strecke, über die gefahren werde, egal sei.

Die Vertreter von Kocks Consult stellten die großen Schwierigkeiten heraus, verbindliche Zahlen und Aussagen von DB Cargo zu bekommen. Daneben seien die Firmen ZBR, Kunz und Klausner angeschrieben worden.

Herr Arnold verwies darauf, daß die Probleme des LKW-Verkehrs nicht nur in Blankenstein, sondern auch in Ebersdorf bestehen.

Herr Seifert vom Landratsamt Hof erwähnte zunächst, daß heute kein Güterverkehr nach Bad Steben auf der Schiene mehr stattfinde. 40 % der Kurgäste aus Bad Steben würden mit dem Zug anreisen. Eine Verschlechterung der Taktbedienung sei deshalb nicht akzeptabel.

Auf die Frage von Bürgermeister Lommer erläuterte Herr Dr. Scheder, daß das Gutachten noch nichts entscheide, jedoch wichtige Grundlagen hierfür geschaffen habe. Das Gutachten werde nun ausgewertet und den Ministerien zugeleitet. Dabei werde den Aufwendungen für Investitionen und Zugleistungen der Nutzen gegenübergestellt. Er erwarte einen längeren und schwierigen Abwägungsprozeß, dessen Ergebnis grundsätzlich offen sei.

Herr Mayer bestätigte diese Aussagen für den Freistaat Thüringen und sah aufgrund der Erfahrungen mit einem ähnlichen Gutachten im Raum Duderstadt, wo die politische Entscheidung nach Abschluß des Gutachtens in 1997 trotz positiver Kreistagsbeschlüsse nach wie vor ausstehe, eine Entscheidung frühestens im Jahre 2001.

Herr Dr. Scheder machte abschließend deutlich, daß in der heutigen Zeit des Sparens übertriebene Erwartungen unrealistisch seien und dankte allen Teilnehmern für die rege und konstruktive Diskussion.