Reaktivierung der länderverbindenden Strecke Selb - Plößberg / Asch (Tschechien)
03.02.2008
Von Hof nach Eger ohne Umweg
Selb – Die Bahnlinie Hof-Eger soll wieder durchgehend befahrbar werden. Diese Forderung hat die Interessengemeinschaft Bahn Cheb-Hof/Saale erneut bei einer Pressekonferenz im Porzellanikon in Selb-Plößberg erhoben.
Hierzu stellte sie eine Denkschrift vor, in der insbesondere die 2003 in einem Gutachten geschätzten Kosten von rund sieben Millionen Euro für die Reaktivierung der Strecke von Selb-Plößberg bis zur Landesgrenze bei Asch in Frage gestellt werden. Der Sprecher der Interessengemeinschaft, Dr. Klaus von Stetten, betonte, dass man bei seriöser Rechnung von maximal vier Millionen Euro an Kosten ausgehen könne.
Das Einzugsgebiet der Strecke in Hochfranken und im Bezirk Karlsbad habe 530 000 Einwohner und biete für den Personenverkehr ein ausreichendes Potenzial. Nicht zuletzt würde Hofs Position als Container-Umschlagplatz gestärkt. Dieser Aspekt gewinne an Bedeutung angesichts der Planungen für einen Industrie- und Gewerbepark im Stadtgebiet und ein Logistikzentrum am Hauptbahnhof von Asch.
Die Denkschrift hat auch Wirtschaftsministerin Emilia Müller erhalten. „Wir hoffen, dass die ehemals für Europaangelegenheiten zuständige Ministerin uns helfen wird, das Zusammenwachsen der Region zu beschleunigen“, so Sprecher von Stetten abschließend.
Die Denkschrift finden Sie unter:
http://www.aktive-buerger-selb.de/UserFiles/File/Denkschrift%20Selb%20-%20Asch.pdf
Die Strecke
von
Dietmar Föhst, Selb, MueC Selb-Rehau
Stefan Winkler, Naila, HOELLENNETZ
Die Höllentalbahn ist nicht nur als regionale Verbindung äußerst nützlich. Im Zusammenhang mit der ebenfalls brachliegenden, aber noch bestehenden Bahnstrecke von Selb-Plößberg nach Asch in Tschechien stellen diese Bahnlinien weitreichende Ost-West-Verbindungen dar. In einer immer größer werdenden europäischen Gemeinschaft im Zuge der EU-Osterweiterung sind diese Verbindungen immens wichtig!
Weiterhin liegt nun ein Gutachten vor, das eine mögliche Reaktivierung der Strecke betrachtet. Leider sind darin wichtige Details ausgelassen, weswegen an dieser Stelle die Strecke kurz vorgestellt und einige Gesichtspunkte näher beleuchtet werden sollen.

Das 7,3 km lange, grenzüberschreitende Teilstück von Selb-Plößberg nach Asch in die Tschechische Republik ist Teil der früheren Hauptstrecke Hof - Eger und verband das nordostbayerischen Hof und die böhmische Stadt Eger. Die Eisenbahnstrecke wurde am 1.11.1865 als bayerische Pachtbahn eröffnet. Der Personenverkehr zwischen Bayern und Böhmen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder aufgenommen. Bald nach Kriegsende wurde dagegen wieder Güterverkehr, der vor allem der Versorgung des Raums Selb/Hof mit Brennstoffen und Rohstoffen aus der CSSR diente, durchgeführt. Richtung Osten wurden fast nur Leerwagen zurückgeführt.
Der Erhalt des Grenzübergangs trotz seiner Nähe zum besser ausgebauten Übergang Schirnding - Cheb hatte in Zeiten des Kalten Krieges zwischen den beiden Machtblöcken hohen politischen Stellenwert und Symbolcharakter. Diese teilweise Durchlässigkeit des eisernen Vorhanges mittels eines intakten Schienenweges nutzte am 11. September 1951 ein ganz besonderer Transport. Der seitdem als Freiheitszug bekannte Dampfzug donnerte ohne Halt durch Asch über die Grenze und nach Selb-Plößberg.
Zur Grenzöffnung am 01.07.1990 erlebte die Strecke hinsichtlich des Personenverkehrs eine Rainessance wobei zu diesem Zeitpunkt noch reger Güterverkehr herrschte. Es pendelte den ganzen Tag ein vollbesetzter tschechischer Triebwagen zwischen Selb-Plößberg und Asch. Am 3. und 4.11. des gleichen Jahres kamen die Dampflokomotiven auf die Strecke zurück. Im Zuge des 125jährigen Streckenjubiläums wurde zwei Tage Dampf gemacht. Eine große Bedeutung für den Güterverkehr erreichte die Strecke 1994. Zwei Wochen lang wurden Güterzüge auf die oberfränkische Nebenstrecke umgeleitet, da der Grenzübergang Bad Brambach umgebaut wurde.
Nach Einstellung des Güterverkehrs zum 28. Mai 1995 erfolgte zum 28. September 1996 die Stilllegung der Infrastruktur.

Die Bahnstrecke bei Wildenau (Foto vom „Wirtshäuslberg“ in Richtung Asch)

Der Ascher Hauptbahnhof – Ausfahrt Richtung Cheb/ Eger

Die kleine Bahnbrücke bei Wildenau
Die Strecke Hof – Selb Stadt, von der die Ascher Linie abzweigt wurde in den letzten Jahren, wie auch die Strecke Hof - Bad Steben, verbessert und modernisiert. Das fällt besonders bei zwei Brückenbauwerken im Raum Schönwald auf. Außerdem wurde die Strecke auf einem fast zwei Kilometer langen Stück zwischen den Orten Schönwald und Rehau neu trassiert. Die Bahnlinie hätte andernfalls durch den Bau der Autobahn BAB 93 unterbrochen werden müssen. Neu gebaut wurden auch zwei Brücken im Selber Stadtgebiet (Brücke „Hofer Straße“ und Brücke „Christian-Höfer-Ring“). Damit ist die Selber Linie rein technisch auf lange Sicht gesichert.

Der Bahnhof in Selb-Plößberg – aufnahmebereit für Güter- und Personenverkehr
Leider sind im letzten Jahr die zwei Stellwerke in Selb-Plößberg abgerissen worden. Diese Stellwerke wären für eine Weichenbetätigung für die Linie Selb-Plößberg – Asch geeignet gewesen.

Abgerissen wurde auch das westliche Stellwerk des Bahnhofs Selb-Plößberg
Die Vermutung liegt nahe, dass wieder einmal von höchster Stelle „vollendete Tatsachen“ geschaffen wurden. Keinesfalls soll jemand auf die Idee kommen, eine Weiche, die von der Hofer Strecke nach Asch abzweigt in so einem Stellwerk stellen zu wollen.
Der Bahnübergang bei Erkersreuth
Der Bahnübergang nördlich von Erkersreuth wurde per Hand bedient. Es ist ein leichtes, diesen Bahnübergang fernzusteuern und mit modernen Halbschranken zu versehen. Ein weiterer in der Nähe von Selb-Plößberg gelegener Bahnübergang ist bereits mit Halbschranken versehen und sozusagen „betriebsbereit“.
Auf tschechischer Seite findet, im Gegensatz zum DB-Gebiet, noch Güterverkehr auf der Bahnlinie Eger (Cheb) – Asch (Ás) statt. Derzeit dreimal pro Woche verkehrt der Nahgüterzug zum Ascher Bayerischen Bahnhof (ehem. „Reichsbahnhof“ DRG). Die weiterführende Linie der einstmals privaten Busterhader Bahn zum Ascher Stadtbahnhof (Ás Mesto) und bis Rossbach (Hranice) wird nur im Personenverkehr bedient. Nur nach Bedarf werden dort aber auch Güter zugestellt.

Der Übergabegüterzug aus Eger im Ascher Hauptbahnhof, Selber Seite

Schienenbus 810 in Ás, Bayerischer Bahnhof, Strecke nach Hranice
Interessant dabei ist, dass die Güterzüge von Cheb überwiegend Holz aus dem Süden nach Asch bringen. Dabei handelt es sich, man höre und staune; meist um Schleifholz für die „Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal“ (ZPR) in Blankenstein! Daneben findet auch noch Einzelwagentransport statt.

(Foto Gz mit Holzwagen am EG Asch)
Das Schleifholz wird in Asch auf Lkw verladen, als regionaler Transport deklariert und fährt über den Grenzübergang Selb - Asch, die BAB 93, B 15 durch ganz Hof, durch die Brucker Senke zur BAB 9 um dann über Blankenberg nach Blankenstein zu gelangen! Weitere Transportwege führen von Asch über den Grenzübergang und dann in den bayerischen Süden zu weiteren holzverarbeitenden Betrieben. Durchschnittlich fahren täglich zwei vollbeladene Lkw´s gen Westen und donnern durch die Grenzorte. Und was zum Nachdenken anregt: Auch in Richtung Tschechien wird Langholz transportiert!

Die Holzstämme werden auf den Lkw verladen

Tonnen von Holz warten in Asch auf den Transport nach Westen – die Bahn könnte dies erfüllen

Ein belebter Bahnhof Selb-Plößberg – so kann die Zukunft aussehen!

Ein Güterzug in Richtung Selb-Plößberg – Utopie oder Zukunft?
Aktuelle Entwicklungen um die Reaktivierung der Strecke Plößberg-As finden Sie in unseren
News
zurück zum
Seitenanfang